Donnerstag, 23. Februar 2017

So what

Du denkst zu viel nach .... ja, du hattest recht, ich denke viel zu viel nach. Schon mein ganzes Leben mach ich mir über alles und jedes Gedanken.

Aber, ja ich habe immer ein Aber auf Lager, ich habe diese Masse in meinem Kopf ja nicht nur dafür, um die simpelsten Grundfunktionen meines Körpers zu steuern. Mein Verstand kann doch noch so viel mehr und das wollte ich nicht ungenützt lassen. Man kann es halt nun aber auch übertreiben. Und wahrscheinlich tue ich das.

Du denkst zu viel nach ... im selben Atemzug sagt er mir aber auch, dass es ihm genauso ginge. Also stehe ich zumindest nicht alleine da  mit dieser selbstauferlegten Geißel. Allerdings tut man sich als junger Mensch leichter, das ein oder andere Mal aufs Nachdenken zu pfeifen und einfach auch mal zu leben. So zu leben, dass man nicht jeden Schritt bedenkt und einfach intuitiv mal etwas macht.

Ich stehe mir leider immer wieder selber im Weg, mit meinen Gedanken, mit der Tatsache, dass ich mich ständig versuche zu kontrollieren, vor allem meinen Intellekt. Ich will nicht andere kontrollieren, auf keinen Fall. Ich vertrete die Meinung, dass jeder Mensch tun und lassen soll, was er für richtig hält, so lange es sich nicht in irgendeiner Form negativ auf seine Mitmenschen auswirkt.

Ich war früher weniger nachdenklich, ich habe getan, was mir gerade in den Sinn kam, ich war für jeden Unfug zu haben. Spaß sollte das Leben machen. Dann kamen die Kinder und damit die Verantwortung für andere. Da kannst du nicht mehr einfach tun und lassen, was dir so gefällt. Du bist Vorbild, du hast Pflichten.

Also habe ich mich massiv verändert. Und mit der Tatsache, dass ich mein Handeln kontrollieren musste, begann diese Nachdenkerei. Auf einmal hat sich Vieles nur mehr in meinem Kopf abgespielt. Ich bin ein extrem phantasievoller Mensch. Ganze Geschichten entstehen in meinem Kopf. Tagträume, Wünsche, Sehnsüchte, all das hatte ich nun nur mehr als Vorstellung.

Und dann sind die Kinder erwachsen, langsam bemerkst du, dass du jahrelang an deiner wahren Identität vorbei gelebt hast. Dass du dir aus Pflichtgefühl und Disziplin selber so viel Schönes versagt hast. Dass du deine ureigenste Natur jahrelang brach liegen, ja sogar verleugnet hast. Es ist ein ziemlich hartes Erwachen, denn du erkennst plötzlich, was du dir alles selber vorenthalten hast, was du verpasst hast.

Und dann bricht es plötzlich heraus. Du bist wieder da, du, wie du vor Jahren warst. Du erinnerst dich, wieviel Spaß das Leben gemacht hatte. Das soll jetzt nicht heißen, dass Kinder groß zu ziehen keinen Spaß macht. Ich wollte ja Kinder und war lange glücklich, sie ins Leben begleiten zu dürfen.

Aber verdammt, ich lebe auch noch, ich bin noch nicht so alt, dass ich mich zur Ruhe setze und drauf warte, dass die Jahre vergehen. Aber deine Umgebung kommt nicht mehr mit dir klar, sie versteht dich auf einmal überhaupt nicht mehr. Wie auch, sie kennt dich so ja nicht.

Du musst dir gefallen lassen, dass man sagt, du hättest vielleicht jahrelang etwas vorgespielt. Irgendwie habe ich das auch. Ich bin in eine Rolle geschlüpft, die der Mutter und Ehefrau und habe versucht, das zu erfüllen, was von mir erwartet wurde. Ohne Reue.

Ich bin immer noch Mutter, aber ich bin auch wieder Mensch, Frau, mit Gefühlen, Sehnsüchten, Erwartungen. Ich hab ein Update von mir selbst gemacht. Ich organisiere, erfinde mich neu, nicht ganz neu, ich kehre zu der Person zurück, die ich einmal war. Ich habe kein Problem mit meinem Alter, aber ich finde es vermessen, dass andere einem vorschreiben wollen, wie man sich in welchem Alter zu verhalten hat. Ich habe gesellschaftliche Zwänge, die die persönliche Entfaltung eines Menschen in ein Korsett pressen wollen, immer schon verurteilt. Schon in der Schule. Ich war immer aufmüfpig, wie man so schön sagt. Und das bin ich auch heute wieder, allerdings mit der Erfahrung und Reife der Jahre, die seither vergangen sind.

Aber um hierher zu gelangen, musste ich einen Schubs erhalten, und den habe ich bekommen. Dafür bin ich sehr dankbar. Wahrscheinlich hätte ich es alleine nicht geschafft, hätte ich nicht den Mut gehabt, aus meinem gewohnten Leben wieder auszubrechen.

Leben, ich komme zurück. Und wer dabei sein will, muss sich diesmal ein wenig an mich anpassen. Ich habe mich lange genug anderen untergeordnet, dem System und den Konventionen entsprochen.






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